Ein Wochenende Juist – Sonntag

Unser Sonntag Morgen gestaltete sich ausgesprochen angenehm. Nach einer geruhsamen Nacht, die uns den Ärger des Vortags vergessen ließ, frühstückten wir gediegen in unserem Hotel. Angesichts des schönes Spätsommerwetters beschlossen wir währenddessen, die Insel per Fahrrad zu erkunden. Wie sich herausstellte, eine fantastische Idee!

Juist bietet eine ganze Reihe kompetenter und gut ausgestatteter Fahradverleihe, so dass wir ohne lange Suche einen gleich um die Ecke aufsuchten. Die Drahtesel waren gut in Schuss und kosteten kein Vermögen. Wenige Minuten später waren wir auf dem Weg zum Hafen.

7. Längengrad und Seezeichen am Yachthafen

Seezeichen am Sportboothafen Juist

Das Seezeichen am Sportboothafen.

Der Juister Sportboothafen ist nicht zu verfehlen, denn an seiner Einfahrt steht seit 2008 ein Seezeichen, das inzwischen zu einem der Wahrzeichen der Insel geworden ist. Die 17 Meter hohe, weiße Stahlkonstruktion ist einer treibenden Boje nachempfunden und steht auf der Spitze der Hafenmole. Über den ästhetischen Wert herrscht gelegentlich, nun ja, Uneinigkeit. Unbestritten jedoch ist der wunderbare Blick über das gesamte Hafengebiet, den man von der Aussichtsplattform hat.

Markierung des 7. Längengerades

Diese Metallplatte markiert den Verlauf des 7. Längengrades.

Auf dem Weg dorthin überquert man den 7. Längengrad. Eine runde Metallplatte markiert die genaue Stelle.

Impressionen im Sportboothafen

Loog und Hammersee

Über die Billstraße gelangten wir zum Loog. Diese westlich des Hauptdorfes gelegene Exklave der Inselgemeinde hat ihre ganz eigene Geschichte und, wie wir feststellten, auch ihren ganz eigenen Charme. Wikipedia weiß übrigens, dass es nicht der oder die, sondern das Loog heißt 🙂 .

zwei Personen auf dem Fahrrad

Der Radweg südlich des Hammersees ist gut ausgebaut und führt direkt am See vorbei.

Auf einem gut ausgebauten Rad- und Fußweg radelten wir weiter nach Westen und erreichten nach wenigen Kilometern den Hammersee. Dieser Binnensee ist der größte unter den Seen der Nordseeinseln und im 17. Jahrhundert als Folge einer verheerenden Sturmflut entstanden, die Juist für lange Zeit teilte. Um 1770 wurde begonnen, die Verbindung zwischen den beiden Inselteilen wieder herzustellen, und erst 1932 entstand durch eine erneute Überflutung der heutige See. Durch Regenfälle süßte er in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend aus und verlandet inzwischen wieder langsam.

Der Name leitet sich übrigens nicht vom „Hammer“ ab, sondern vom ostfriesischen Wort „Hamrig“, das eine gemeinsam genutzte Weidefläche bezeichnet. Der Begriff taucht auf Juist gleich zweimal auf: Das im Osten der Insel gelegene Kalfamer bezeichnet ein „Hamrig“ für die „Kalf“ – die Kälber.

Domäne Bill

Butterstuten und Tee in der Domäne Bill

Butterstuten und Tee in der Domäne Bill.

Die Bill ist die große Sandbank im Westen der Insel. Bis hierher lässt es sich angenehm radeln, kurz hinter der Domäne Bill allerdings endet der Radweg. Die Domäne ist ein ausgesprochen beliebtes Ausflugsziel, und da sich auch bei uns der berühmte kleine Hunger meldete, machten wir Rast – nicht zuletzt, weil wir neugierig auf den berühmten und viel gelobten Butterstuten waren!

In der Tat wurde uns nicht zuviel versprochen: Zu einem Kännchen Ostfriesentee – selbstverständlich mit Kandis und Milch – genossen wir ein gut drei Finger dickes Stück des inseltypischen Rührkuchens mit ordentlich Butter. Nichts für die schlanke Linie, aber unglaublich lecker. Und derart reichhaltig, dass auch ein Stück für uns beide gereicht hätte 😀 .

Trockenes Holz am Strand

Die Bill macht zuweilen einen fast schon surrealen Eindruck.

Gut gesättigt machten wir eine kleine Verdauungsrunde über den Strand, bevor wir den Rückweg antraten. Es bieten sich mehrere Wege dafür an. So kann man beispielsweise über die Aussichtsplattform am Wärterhäuschen nördlich des Hammersees zurück fahren. Wir nahmen allerdings bequemerweise den unseres Erachtens am besten ausgebauten Weg zurück, den wir auch gekommen waren.

Juister Pferdetaxi

Pferdetaxi Juist

Mit solchen, sehr modernen Pferdefuhrwerken wird auf Juist ein Großteil des Personen- und Güterverkehrs sowie die Müllabfuhr erledigt.

Nachdem wir unsere Fahrräder wieder abgegeben hatten, blieb uns gar nicht mehr viel Zeit. Wir genossen noch eine Weile die Sonne und machten uns schließlich zu Fuß auf den Weg zurück zum Flugplatz – eine nicht wirklich gute Idee, denn den Fußmarsch über den Strand hatten wir völlig falsch eingeschätzt.

Hier hätte ein Pferdetaxi gute Dienste geleistet. Juist ist grundsätzlich autofrei; der Personen- und Gütertransport wird bis heute weit überwiegend mit Pferdefuhrwerken getätigt. Nun ja – das nächste Mal sind wir schlauer; freundlicherweise wartete unser Inselflieger auf uns und zum Glück nahm uns keiner der Mitreisenden die Verspätung übel.

Fisch essen in Norddeich Mole

Sehr zufrieden erreichten wir nach wenigen Minuten Flug das Festland. Unser Zug fuhr erst eine gute Stunde später, was uns Gelegenheit gab, im Hafen noch eine Kleinigkeit zu essen. Das mit der Kleinigkeit klappte nicht so richtig, denn nicht nur, dass der Backfisch bei de Beer unglaublich lecker war – die Portionen waren auch durchweg für den großen Hunger gedacht! 🙂

Gut gesättigt stiegen wir in die Bahn, die wir bei all dem Genuss am Ende um ein Haar verpasst hätten. Mit nur einem Umstieg waren wir abends um neun wieder daheim.